

Weltweit steigt sowohl die Anzahl der Öko-Flächen als auch der Öko-Betriebe. Dies führt zu einer nachhaltigeren Landbewirtschaftung. Gerade für Kleinbauern in weniger entwickelten Ländern bringt der Öko-Landbau auch ökonomische Vorteile. Der internationale Handel erfüllt die Kundenwünsche nach ganzjähriger Verfügbarkeit eines breiten Sortiments. Zugleich kann er jedoch den Preis- und damit Spezialisierungsdruck für hiesige Erzeuger erhöhen und die Öko-Bilanz von Bio-Lebensmitteln durch weite Transportwege verschlechtern. Die Regionalvermarktung von Bio-Produkten kann demgegenüber Hand in Hand mit einer nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume gehen, Öko-Bilanzen verbessern und die regionale Wertschöpfung und Zahl der Arbeitsplätze erhöhen. Sie erhält attraktive Landschaften und bietet frische Lebensmittel.
Die regionale Verankerung ist dem Öko-Landbau seit jeher ein wichtiges Anliegen, welches sich z.B. in den Prinzipien der flächengebundenen Tierhaltung und der Kreislaufwirtschaft niederschlägt (» Frage 6) [u.a. 1; 2]. Einige Verbände verbieten Futtermittelimporte aus dem Ausland. In der Regionalvermarktung sind Bio-Landwirte überproportional engagiert [1; 2]. Der Begriff der "Region" ist nicht eindeutig definiert; die Grenzen richten sich z.B. nach politisch-administrativen, handelsrelevanten (Verfügbarkeit Produkte) oder naturräumlichen Kriterien; oft wird von maximalen Distanzen bis zu 100 km ausgegangen. Während Bio jedoch früher nahezu ausschließlich regional vermarktet wurde, nimmt die Globalisierung der Warenströme auch in der Bio-Branche immer weiter zu [3; 4]. Heute findet zertifizierter Bio-Anbau in ca. 120 Ländern auf insgesamt mehr als 31 Millionen Hektar statt, mit steigender Tendenz bei Flächen wie Betrieben [3]. Die Internationalisierung wird durch das ausgeprägte Marktwachstum der letzten Jahre, welches neben Europa und Nord-Amerika bspw. auch China umfasst [3], sowie die sich verändernden Handelsstrukturen verstärkt (» Frage 15) [2; 4; 5]. So suchen gerade die Discounter und Supermärkte europa- oder sogar weltweit nach großen, möglichst kostengünstig produzierten Mengen an Bio-Lebensmitteln. Die EU-Öko-Verordnung bietet ihnen europaweit einen einheitlichen gesetzlichen Bezugsrahmen und erleichtert so den Handel mit Auslandsware. Da die Kennzeichnung der verarbeiteten Produkte mit dem Bio-Siegel keine Aussage über die Herkunft des Produkts bzw. seiner Bestandteile ermöglicht, kann sie die Austauschbarkeit der Erzeuger und damit den Preisdruck erhöhen [5].
Die Vermarktung regionaler Produkte bietet demgegenüber Bio-Verbandsware, dem Fachhandel und Lebensmitteleinzelhandel Profilierungschancen gegenüber der günstigen aber anonymen Ware in den Discountern [2; 5]: Herkunft und damit verknüpft Transparenz und Vertrauen werden beim Kauf von Lebensmitteln zu immer bedeutenderen Kriterien, für die mehrere Studien eine Mehrzahlungsbereitschaft der Verbraucher belegen [2; 6; 7].
Die Globalisierung in Bio-Anbau und -Handel bringt sowohl Vorals auch Nachteile mit sich: Zum einen sind die zahlreichen Vorteile dieser nachhaltigeren Landbewirtschaftung (» Frage 2; » Frage 21; » Frage 24) nicht an Ländergrenzen gebunden. Zudem bietet der Öko-Landbau gerade den Kleinbauern in weniger entwickelten Ländern eine Perspektive sowohl für eine ressourcenschonende Eigenversorgung als auch für die Einkommenssicherung über Exporte (» Frage 27) [3; 4].
Die Internationalisierung des Handels dient der Befriedigung veränderter Kundenwünsche, die mit der Marktausdehnung einhergehen: So wird auch im Bio-Bereich zunehmend die ganzjährig uneingeschränkte Verfügbarkeit eines breiten und preisgünstigen Sortiments erwartet [2; 5]. Hierzu zählen die Waren aus Übersee (Tee, Kaffee, exotische Früchte), die nur über den internationalen Import zu beziehen sind oder heimische Früchte, wie Erdbeeren oder Äpfel, außerhalb der Saison. Die Möglichkeit weltweiten Rohstoffbezugs erhöht jedoch tendenziell den Preisdruck und damit die Spezialisierung und Konzentration [u.a. 2]. Dies kann z.B. zu steigenden Futtermittelimporten, der Auflösung regionaler Verarbeitungs- und Handelsstrukturen und damit dem Verlust von Arbeitsplätzen führen [1; 8]. Zusammengenommen bedingen diese Entwicklungen eine Zunahme des Transportverkehrs und somit erhebliche Umwelt-und Gesundheitsbelastungen durch z.B. Luftschadstoffe, klimawirksame Emissionen und Lärm.
Die Öko-Bilanz verschlechtert sich bei weit gereisten Bio-Produkten deutlich: So verbraucht ein Apfel aus Chile die 520-fache Energie eines Apfels vom Bodensee [8]. Demgegenüber belasten die kurzen Wege regionaler Produkte die Umwelt weniger und sparen so externe Kosten [8]. Zum Teil gibt es in der klein strukturierten Regionalvermarktung noch erhebliche Verbesserungspotentiale: Denn neben der Länge der Transportwege sind z.B. auch die beförderten Mengen (Effizienz des Transports) sowie die Vertriebsstruktur relevant [9]. Generell sind Öko-Bilanzen sehr komplexe Bewertungen, bei denen die notwendigen Vereinfachungen, die Wahl der Systemgrenzen (bspw. Verkaufsort oder Haustür des Verbrauchers) oder die Gewichtung der einzelnen Kategorien eine große Rolle spielen [2; 8; 9]: So kann ein energieintensives Produktionsverfahren (Gewächshauskulturen) für die Gesamtenergiebilanz bedeutender sein als die Transportstrecke.
Der verringerte Transportverkehr ist jedoch nur einer der zahlreichen Vorteile einer regionalen Vermarktung: Dem Verbraucher bietet sie frische und ausgereifte Produkte und regionenspezifische Vielfalt, die zugleich bedrohte Kultursorten und attraktive Landschaften, wie etwa Streuobstwiesen und Bergweiden, erhält (» Frage 24). Dies kann zugleich den Tourismus fördern. Der Kauf regionaler Bio-Produkte sichert eine umweltschonende Landwirtschaft, gute Trinkwasserqualität wie auch Arbeitsplätze und Wertschöpfung vor Ort (» Frage 2; » Frage 21) [9]. Er kann so helfen, bäuerliche und mittelständische Strukturen zu sichern und die Attraktivität ländlicher Räume zu erhöhen. Aufgrund der Vielzahl positiver Folgewirkungen heben zahlreiche Autoren das Potenzial des Öko-Landbaus für eine nachhaltige Regionalentwicklung hervor, auch wenn es sich (bislang) nur schwer quantifizieren lässt [9; 10; 11; 12]. Sinnvoll wäre es, wenn der Öko-Landbau in den Förderrichtlinien der Politik für die ländlichen Räume stärkere Berücksichtigung fände [u.a. 11; 12]. Weiterhin würde eine Internalisierung externer Kosten (» Frage 16) die Vorteile regionaler Produkte auch preislich verdeutlichen [4; 8].
[1] De Wit, J., H. Verhoog und U. Prins (2006): Why regionality is an important value in organic agriculture: the case of the Netherlands. http://www.orgprints.org/7319/
[2] Kullmann, A. (2004): Regionalvermarktung von ökologischen Produkten. Stand, Erfolgsfaktoren und Potentiale. Abrufbar unter http://www.ifls.de/download/BeitragTagung0304ak.pdf
[3] Yussefi, M. (2006): Organic Farming Worldwide 2006: Overview & Main Statistics. In: Willer, H. und M. Yussefi: The World of Organic Agriculture. Statistics and Emerging Trends 2006. IFOAM/FiBL, Bonn/Frick, S. 23 – 37, http://orgprints.org/5161/01/yussefi-2006-overview.pdf
[4] Alrøe, H. F. und E.S. Kristensen (2005): Organic Agriculture in a Global Perspective. Abrufbar unter http://www.orgprints.org/3855/
[5] Gothe, D. (2002): Regionale Bio-Lebensmittel im Handel. Situation, Perspektiven, Handlungsempfehlungen. NABU/DVL, Bonn/Ansbach, http://www.orgprints.org/815/
[6] Leitow, D. und K. Jader (2004): Einstellungen und Kaufverhalten bei regionalen Lebensmitteln. Ergebnisse empirischer Untersuchungen aus Deutschland und Polen. Vortrag anlässlich der 44. Jahrestagung der Gesellschaft für Wirtschaft- und Sozialwissenschaften des Landbaus an der Humboldt-Universität Berlin, 27.-29.09.2004
[7] Burchardi, H. und H.D. Thiele (2006): Preispolitische Spielräume für regional erzeugte Öko-Lebensmittel. In: Leitzmann, C. et al. (Hrsg.): Praxishandbuch Bio-Lebensmittel, Behr´s Verlag, Hamburg
[8] Demmeler, Martin (2001): Ökobilanz eines Verbrauchers regionaler Bio-Lebensmittel - am Beispiel der "von Hier"-Produkte von Feneberg. Abrufbar unter http://www.bioring-allgaeu.de/files/oekobilanz.pdf
[9] Demmeler, M. und B. Burdick (2005): Energiebilanz von regionalen Lebensmitteln. In: Agrarbündnis e.V. (Hrsg.): Der kritische Agrarbericht 2005, S. 182-188, http://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2005/
Demmeler_Burdick.pdf
[10] Albrecht, S. (2006): Nachhaltigkeit neu denken. Herausforderungen für die Land- und Lebensmittelwirtschaft. Vortrag bei der Herbsttagung des BÖLW, zum pdf-Dokument
[11] Häring, A.M. et al. (2005): The potential of the new EU Rural Development Programme in supporting Organic Farming. Further Development of Organic Farming Policy in Europe with Particular Emphasis on EU Enlargement Nr. QLK5-2002-0091, http://www.orgprints.org/6338/
[12] Schmid, O. und J. Sanders (2005): Regionale Bio-Vermarktungsinitiativen und ländliche Entwicklung. Perspektiven, Potentiale und Fördermöglichkeiten. In: Heß, J und G. Rahmann (Hrsg.): Ende der Nische, Beiträge zur 8. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau. Kassel, http://www.orgprints.org/3738/