Berlin, 15.10.2008. Das Jahr 2008 steht im Zeichen massiv gestiegener Lebensmittelpreise und knapper -vorräte sowie einer abermals gewachsenen Anzahl von Hungernden in der Welt. „Im Zentrum der Debatte muss jetzt stehen, welche Konzepte geeignet sind, um diesen Herausforderungen zu begegnen“, sagte Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW, anlässlich des morgigen Welternährungstages. Aus durchsichtigen Motiven fordern die Verfechter der Agro-Industrie nun eine rasche Industrialisierung der Landwirtschaft weltweit. Demgegenüber hat der Weltagrarbericht, Ergebnis einer umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung, in diesem Frühjahr unmissverständlich verdeutlicht: Die industrialisierte, Input-intensive Landwirtschaft kann die Probleme nicht lösen. Im Gegenteil: Für Kleinbauern und Umwelt hat sie z.T. massive negative Folgen. Stattdessen fordert er eine lokale, angepasste, vom Zukauf externer Betriebsmittel unabhängige Landwirtschaft als Basis einer nachhaltigen Ernährungssicherung. Der Ökologische Landbau erfüllt diese Kriterien bestens.
„Die Menschen in den Ländern der Dritten Welt müssen in die Lage versetzt werden, aus eigener Kraft, mit eigenen Ressourcen Lebensmittel zu erzeugen, ohne sich gegenüber ihren Vorlieferanten weiter zu verschulden“, sagte Löwenstein. Die „Entsorgung“ der Überproduktion aus den Industrieländern zu Dumpingpreisen auf den Märkten der Entwicklungsländer einerseits und die Verschuldung der Kleinbauern bei den Lieferanten von Betriebsmitteln andererseits haben deren Fähigkeit vernichtet, sich selbst ausreichend zu ernähren. „Es braucht deshalb ein System der Landwirtschaft, das möglichst wenig Kapital einsetzt und erfolgreich die Eigenkräfte der Natur nutzt. Auf diese Weise werden obendrein die endlichen Ressourcen geschont und Belastungen von Umwelt und menschlicher Gesundheit vermieden“, analysiert Löwenstein. „Der Ökologische Landbau hat sich seit Jahrzehnten als ein solches System bewährt. Er muss deshalb als Pfad zur Sicherung der Welternährung für künftige Generationen weiter entwickelt werden.“ Löwenstein fordert daher verstärkte Forschungsanstrengungen für den Öko-Landbau, „anstatt weitere Millionen in die untauglichen Konzepte der Agro-Gentechnik zu versenken!“
„Kann Bio die Welt ernähren?“ fragt auch die Jahrestagung des BÖLW am 23. Oktober in Berlin. Hochkarätige Redner zeigen den Stand des Wissens auf; Praxisbeispiele aus verschiedenen Weltregionen veranschaulichen die Potenziale der Ökologischen Landwirtschaft. Abschließend diskutiert eine Expertenrunde Bewältigungsstrategien für die zentralen Herausforderungen der Ernährungssicherung.
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