BÖLW Pressemitteilung

Mit Öko und vor Ort: Hunger bekämpfen, Ressourcen schützen

Berlin, 14.10.2016. „Wir müssen Landwirtschaft so betreiben und uns so ernähren, dass wir weder die Produktionsgrundlagen der Menschen im Süden noch die künftiger Generationen zerstören. Das betrifft in erster Linie die Klimakrise, die in warmen Ländern die Ernte vertrocknen lässt oder für Überflutungen sorgt“, sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober. „Wir können auch nicht verantworten, dass auf immer größeren Flächen in den Ländern der südlichen Hemisphäre Futtermittel für unsere industrielle Tierhaltung oder Treibstoff für unsere Motoren wachsen!“

Der weitaus größte Teil der globalen Nahrungsmittelerzeugung wird von den vielen Millionen Kleinbauern erzeugt, die weniger als zwei Hektar bewirtschaften. Gleichzeitig stellen diese Menschen die Mehrzahl der Hungernden. Das macht deutlich: „Nur eine ökologisch intensivierte, vom Einsatz teurer Betriebsmittel aus den Chemieunternehmen unabhängige Landwirtschaft kann die wirtschaftliche Situation dieser Bauern stabilisieren und nachhaltig für Ernährungssouveränität sorgen“, so Löwenstein. In ökologischer Intensivierung liege auch eine unabdingbare Voraussetzung für die Bekämpfung von Fluchtursachen.

Ob Hungerbekämpfung gelingt, hängt sehr stark von der politischen Rahmensetzung vor Ort ab. „Aber auch wir in Europa tragen Verantwortung für die Bekämpfung des Hungers“, gibt der BÖLW-Vorsitzende zu bedenken. „Wenn wir zulasten von Umwelt und Natur Lebensmittel im Überschuss herstellen, die wir zu Dumping-Preisen auf den Märkten des Südens verkaufen, schädigt das die lokalen Märkte. Wenn wir auf über 30 Millionen Hektar in Südamerika die Sojabohnen für unsere industrielle Tierhaltung anbauen lassen, fehlen die Flächen dort für Lebensmittelerzeugung. Und wenn unsere Entwicklungspolitik, statt auf agrarökologische Ansätze, auf die Verbreitung unseres teuren, inputintensiven Landwirtschaftssystems setzt, geraten Kleinbauern in die Abhängigkeit von Chemieriesen wie Bayer und Co.“

Hintergrund
Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht. Das Sustainable Development Goal 2, auf das sich die Vereinten Nationen geeinigt haben, lautet: „End hunger, achieve food security and improved nutrition, and promote sustainable agriculture“. Trotzdem stirbt immer noch alle drei Sekunden ein Mensch an Hunger oder den Folgen von Unterernährung. Viele Opfer sind Kinder, die meisten von ihnen leben in Asien, der Pazifikregion und Afrika. Die Zahl der Hungernden wird mit 800 Mio. angeben – das entspricht zehnmal der Einwohnerzahl Deutschland. Der 16. Oktober – Welternährungs- bzw. Welthungertag – soll an diese humanitäre Katastrophe erinnern und auch auf die Erfolge bei der Hungerbekämpfung aufmerksam machen.

Neben politischen, strukturellen und ökonomischen Veränderungen ist für die Hungerbekämpfung die Ausweitung einer ökologischen, bäuerlichen und regional diversifizierten Landwirtschaft ohne Alternativen – so auch die Schlussfolgerung des Weltagrarberichts (IAASTD).

Die Methoden der ökologischen Landwirtschaft lassen sich sehr gut mit althergebrachten Bewirtschaftungsformen in Entwicklungsländern verbinden: Aufbauend auf das Bestehende bewirken leistungsfähige Sorten, durchdachter Mischfruchtanbau, intelligente Techniken zum Management von Beikraut und Schädlingsbefall und andere Maßnahmen erstaunliche Ertragssteigerungen und so eine wesentlich bessere Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Anders als auf intensiv bewirtschafteten Äckern Europas sorgen die Methoden des Öko-Landbaus auf ertragsschwachen Standorten für nachhaltige Produktivitätssteigerungen. Zugleich sichern sie die Unabhängigkeit der Bauern vom Einsatz teurer Betriebsmittel wie synthetischer Dünger oder Pestizide. Mehr Infos auf der BÖLW-Webseite.

Ein aktuelles Interview mit Felix Löwenstein zum Thema „Kann der Ökolandbau die Welt ernähren?“ lesen Sie auf hier.