

Im Ökologischen Landbau werden die Tiere möglichst weitgehend in den Betriebskreislauf integriert. Das bedeutet, dass nur so viele Tiere gehalten werden, wie vom Standort ernährt werden können. Eine solche flächengebundene Tierhaltung stellt sicher, dass es nicht zu den durch Massentierhaltung verursachten schädlichen Umweltwirkungen kommt. Gleichzeitig wird auf eine artgemäße Fütterung der Tiere geachtet, die ihren ernährungsphysiologischen und artspezifischen Bedürfnissen gerecht wird.
Im Ökologischen Landbau wird die Tierhaltung möglichst vollständig in das individuelle Betriebssystem integriert (» Frage 6). Die Anzahl der Tiere pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ist daher im Mittel deutlich niedriger als auf konventionellen Tierhaltungsbetrieben. Dieser systemorientierte Ansatz vermeidet unerwünschte Umwelteffekte wie beispielsweis e Nitratauswaschungen und überhöhte Stickstoff-Emissionen in die Atmosphäre [1; 2].
Stickstoff, ein zentraler Nährstoff für das Pflanzenwachstum, ist im Öko-Betrieb ein knapper Faktor, da er nicht als mineralisches Düngemittel zugekauft werden darf. Deshalb wird auf ÖkoBetrieben ein hoher Anteil an Leguminosen, etwa als Grasmischungen (Klee- oder Luzernegras) oder Körnerleguminosen (Erbsen, Bohnen, Lupinen, Sojabohnen), angebaut (» Frage 9). Diese dienen zugleich als vielseitig einsetzbare Futtermittel. Im Unterschied zur EG-Öko-Verordnung, die die enge Bindung von Futtererzeugung und Tierhaltung zwar als Grundsatz formuliert, im Bedarfsfall aber auch den ausschließlichen Einsatz zugekaufter Öko-Futtermittel zulässt, geben die deutschen Bio-Anbauverbände einen Mindestanteil für die eigene Futtererzeugung von 50 % vor. Diese Anforderung kann auch mit Hilfe regionaler Kooperationen mehrerer Bio-Betriebe erfüllt werden [3; 4]. Das Ziel der weitgehenden Eigenversorgung wird - insbesondere bei Geflügel und Schweinen - in den meisten Betrieben nur bedingt erreicht, da nicht auf allen Standorten die für eine ausgewogene Ration notwendigen Futtermittel erzeugt werden können. Hier ist der Zukauf hochwertiger Komponenten und die Zusammenarbeit mit zertifizierten Mischfutterherstellern notwendig [5]. Gezielt werden auch in der Ökologischen Lebensmittelverarbeitung anfallende Reststoffe als Futtermittel verwendet [5; 6]. Hierzu zählen wertvolle Eiweißkomponenten (z.B. Ölkuchen bei der Ölpressung aus Raps, Lein oder Sonnenblumen, Sojapülpe bei der Tofuherstellung), aber auch andere Futtermittel (z.B. Rübenschnitzel bei der Zuckerherstellung).

Aufgrund der unterschiedlichen Ansprüche hat jede Nutztierart eine spezifische ökologische Funktion im Kreislaufgeschehen des Betriebssystems, wenn auch einzelbetrieblich ein Trend zur Spezialisierung auf eine Tierart festzustellen ist. Wiederkäuer können sowohl leichtverdauliche als auch faserhaltige, für die menschliche Ernährung nicht direkt einsetzbare Pflanzenteile (z.B. Grünlandaufwüchse, Kleegras) verwerten. Daher spielen sie im Ökologischen Landbau mit seinem hohen Kleegras- und Dauergrünlandanteil eine herausragende Rolle. Weidegang ist, wo immer möglich, im Sommerhalbjahr vorgeschrieben [4; 7]. Der Konzentratfuttereinsatz variiert stark in Abhängigkeit von Region, genetischer Veranlagung der Tiere (Leistungsvermögen), Verkehrslage und Flächenausstattung des Betriebes [6; 8]. Er liegt jedoch im Schnitt deutlich unter dem Niveau konventioneller Betriebe, zum einen aufgrund der hohen Kosten für ÖkoKraftfutter, zum anderen um die natürlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Wiederkäuer als Grobfutterverwerter besser zu berücksichtigen.
Die Fütterung ist in hohem Maße verantwortlich für die Gesunderhaltung und Leistungsfähigkeit der Tiere. Im Rahmen einer bedarfs- und leistungsgerechten Versorgung ist z.B. der Einsatz von ausgewählten Futtermittelzusatzstoffen wi e Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen notwendig [9]. Es dürfen nur Futtermittel eingesetzt werden, die nach EG-Öko-Verordnung zertifiziert sind. Auch die Mischfutterherstellung und Kennzeichnung für Öko-Futtermittel unterliegt den detaillierten Regelungen der Verordnung [10].
Für die grobe Orientierung bei der Rationsplanung werden auch im Ökologischen Landbau die Bedarfsnormen der GfE (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie) beachtet [11]. Letztlich gewährleistet aber nur eine sorgfältige Rationskontrolle und Tierbeobachtung die Vermeidung fütterungsbedingter Krankheiten und die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte gegen spezifische Erreger [1; 5; 7; 12; 13]. Futtermittel mit leistungssteigernder Wirkung oder ökologisch bedenklichen Inhaltsstoffen wie rückstandsbildenden Medikamenten (z.B. Kokzidiostatika) oder gentechnisch veränderten Bestandteilen sind im Öko-Landbau ebenso verboten wie eine reine Ausrichtung der Fütterung auf Höchstleistung [4].
Lange Zeit war es so, dass in einem geringen Umfang von 10 bzw. 20 % (je nach Tierart) auch konventionelle Komponenten Bestandteil der Futterrationen für Bio-Tiere waren, da einige für eine bedarfsgerechte Rationsgestaltung notwendige Futtermittel nicht ausreichend in Öko-Qualität verfügbar waren. Der konventionelle Anteil wird jedoch nach und nach reduziert [14]. Bei Wiederkäuern (Ausnahme Wanderschäferei) kann bereits gewährleistet werden, dass 100 % der Futtermittel landwirtschaftlichen Ursprungs aus ökologischer Erzeugung stammen -davon maximal 30 % (bei Eigenerzeugung maximal 60 %) von Umstellungsflächen. Die meisten deutschen Bio-Anbauverbände haben dies in ihren Richtlinien verankert und flächendeckend umgesetzt. Nach EC-Öko-Verordnung sind bei Wiederkäuern noch bis Dezember 2007 bis zu 5 % konventionell erzeugte Futtermittelkomponenten zulässig [14]. Bei Schweinen und Geflügel ist von der EC-Öko-Verordnung ein Stufenplan vorgegeben [14]. Bis Dezember 2007 sind noch 15 %, bis Dezember 2009 noch 10 % und bis Dezember 2011 noch 5 % bestimmter konventioneller Futtermittel zulässig. Auch hier sind einige deutsche Anbauverbände bereits weiter und schränken die zulässige Menge und die Auswahl der konventionellen Futtermittelkomponenten weiter ein [3; 5].
Diese sehr spezifischen Vorgaben verdeutlichen das Bemühen, den Einsatz konventioneller Futtermittel aus Qualitätssicherungsgründen zu minimieren, ohne dabei die Anpassungsmöglichkeiten der Tiere zu überfordern. Die ökologisch erzeugten Komponenten lassen zwar bei richtiger Rationszusammenstellung eine vollwertige Fütterung zu [5; 6; 15]. Gerade bei der Jungtierversorgung bei Schweinen und Geflügel bestehen jedoch noch Wissens- bzw. Versorgungslücken [16]. Einzelne Betriebe praktizieren jedoch auch hier bereits eine hundertprozentige Bio-Fütterung [15].
[1] KTBL und Bioland (Hrsg.) (2006): Gesunde Milchkühe im Ökologischen Landbau – ein Leitfaden für die Praxis. KTBL Heft 55, Darmstadt
[2] Umweltbundesamt (2002): Nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Erich Schmidt Verlag, Berlin
[3] Eine Zusammenstellung der Richtlinien der Bio-Anbauverbände ist abrufbar unter http://www.oekoregelungen.de/private_richtlinien.php?id=205
[4] VO (EG) 2092/91, Anhang I B Tierische Erzeugung. Aktuelle Fassung unter
http://www.raumberg-gumpenstein.at/cms/index.php?option=com_docman&
Itemid=53&task=cat_view&gid=162
[5] Deerberg, F., R. Joost-Meyer zu Bakum und M. Staak (Hrsg.) (2004): Artgerechte Geflügelerzeugung – Fütterung und Management. Bioland-Verlag, Mainz
[6] Schumacher, U. (Hrsg.) (2002): Milchviehfütterung im ökologischen Landbau. Bioland-Verlag, Mainz
[7] Abel, H.J. und J. Isselstein (2005): Analyse und Bewertung zu Stand und Entwicklungsmöglichkeiten von Futterbau und Tierernährung im ökologischen Landbau – Themenbezogenes Netzwerk Tierernährung im Ökologischen Landbau. BLE, Bundesprogramm Ökologischer Landbau, http://www.orgprints.org/5902/
[8] Sundrum A. und U. Schumacher (2004): Milchviehfütterung unter systemorientierten Gesichtspunkten in der ökologischen Landwirtschaft. Proceedings of the Society of Nutrition Physiology 13, S. 183 f.
[9] Leisen, E., P. Heimberg und M. Höltershinken (2005): Mineralstoffversorgung bei Rindern und Kühen auch im Öko-Landbau überprüfen. In: Heß, J. und G. Rahmann (Hrsg.): Ende der Nische. Beiträge zur 8. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Universitätsverlag, Kassel, S. 379 f.
[10] VO (EG) 223/2003 (Öko-Futtermittelverordnung), ABl. Nr. L 31 vom 6.2.2003,
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/oj/2003/l_031/
l_03120030206de00030008.pdf
[11] Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE)(2001/1999/1987): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Milchkühe und Aufzuchtrinder/ der Legehennen und Masthühner/ der Schweine. DLG-Verlag, Frankfurt/Main
[12] Bestman, M. (2002): Kippen houden zonder verenpikken. Louis Bolk Instituut, Driebergen
[13] Drerup, C. und K. Kempkens (2004): Fütterungscontrolling in ökologisch wirtschaftenden Milchviehbetrieben in Nordrhein-Westfalen. Proceedings of the Society of Nutrition Physiology 13, S. 185 f.
[14] VO (EG) 1294/2005 (Stufenplan Rückführung konv. Futtermittel), abrufbar unter http://www.oekolandbau.nrw.de/fachinfo/tierhaltung/futtermittel.html
[15] Deerberg, F. (2005): 100 % Bio-Futter für die Hühner. Bioland 1, S. 16 f.
[16] Sedding, S. et al. (2005): Gekeimte Samen als Futtermittel. In: Heß, J. und G. Rahmann (Hrsg.): Ende der Nische. Beiträge zur 8. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Universitätsverlag, Kassel, S. 389 f.