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Fossile Abhängigkeiten überwinden

Resilienz, Preisstabilität und Ernährungssouveränität sichern!

Die deutsche und europäische Landwirtschaft ist in zentralen Bereichen hochgradig von fossiler Energie aus menschenrechts- und geopolitisch heiklen Quellen abhängig. Besonders deutlich wird dies beim Einsatz mineralischer Stickstoffdünger, deren Herstellung überwiegend auf großen Mengen an Erdgas basiert. Deutschland ist der größte Hersteller von synthetischem Stickstoffdünger in Europa. Das dafür benötigte Gas wird u.a. aus den USA, Russland und Katar bezogen. Dennoch wird auch ein erheblicher Teil des Düngers importiert, wobei Russland weiterhin bedeutende Mengen nach Deutschland liefert. Die Einnahmen aus den Düngemittel- und Gasexporten helfen Russland, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. 

Steigende Energiepreise, unterbrochene Lieferketten oder geopolitische Krisen wirken sich damit unmittelbar auf Produktionskosten, Erträge und Preise aus – und machen das Ernährungssystem insgesamt verwundbar. Gleichzeitig werden über Importe von Mineraldüngern Kriege und/oder Menschenrechtsverletzungen finanziert.  

Mineraldünger: fossile Sackgasse statt Zukunftsmodell 

Mineralische Stickstoffdünger sind zentraler Teil der konventionellen Landwirtschaft. Gleichzeitig verursachen sie erhebliche Treibhausgasemissionen bei der Herstellung und zusätzliche Klimabelastungen auf dem Acker, etwa durch Lachgas. Darüber hinaus machen sie landwirtschaftliche Betriebe abhängig von volatilen Energie- und Rohstoffmärkten. Diese Form der Produktivität ist kurzfristig erkauft und langfristig riskant – ökologisch, ökonomisch und sicherheitspolitisch. Die Abhängigkeit von synthetischem Stickstoffdünger ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis einer industriellen landwirtschaftlichen Entwicklung, die diese Abhängigkeit leichtfertig in Kauf genommen hat. 

Der Ökolandbau zeigt seit Jahrzehnten, dass eine andere Form von Landwirtschaft möglich ist: Durch vielfältige Fruchtfolgen, den gezielten Einsatz von Leguminosen, Humusaufbau und enge Nährstoffkreisläufe kommen Bio-Betriebe ohne synthetischen Stickstoffdünger aus. Damit reduzieren sie ihre Abhängigkeit von fossilen Energien deutlich und sind weniger anfällig für externe Krisen. Zugleich stärken sie Bodenfruchtbarkeit, Ertragsstabilität und Ökosystemleistungen wie den Trinkwasserschutz. 

Was echte Resilienz bedeutet 

Krisenfestigkeit bedeutet nicht, ein anfälliges System mit kurzfristigen Notmaßnahmen zu stabilisieren. Resilienz heißt, strukturelle Abhängigkeiten abzubauen und unserer Ernährungssystem so auszurichten, dass es auch in Krisen seine Funktionsfähigkeit behält. 

Patente verschärfen Abhängigkeiten 

Ein weiterer Risikofaktor für die Krisenanfälligkeit der heimischen Landwirtschaft sind Patente auf Saatgut und Nutzpflanzen. Patente konzentrieren Marktmacht bei wenigen globalen Konzernen, verteuern den Zugang zu Saatgut und schränken züchterische Vielfalt ein. Sie schaffen neue wirtschaftliche Abhängigkeiten und untergraben die Ernährungssouveränität. Sie sind eine Gefahr für die heimische mittelständische Züchtungswirtschaft. Patente werden insbesondere für gentechnisch veränderte Pflanzen beantragt und erteilt; das gilt für bisherige Verfahren genauso wie für neue Gentechniken (NGT). Die entscheidenden Patente werden von Konzernen aus China und USA gehalten, mehr NGT in Europa bedeuten (noch) mehr Abhängigkeit von China und den USA.  

Der Ökolandbau setzt dem bewusst ein anderes Modell entgegen: Stärkung des innovativen und bewährten Open Source Ansatzes im europäischen Sortenschutz, der freien Zugang zu genetischen Ressourcen sichert. Bio-Landwirtschaft setzt darauf, weniger abhängig zu sein von patentierten Vorleistungen und monopolisierten Märkten. 

Geringere Abhängigkeit sorgt für mehr Preisstabilität 

Die geringere Abhängigkeit von Mineraldünger wirkt sich auch ökonomisch aus: Bio-Betriebe sind weniger anfällig für extreme Kostensteigerungen bei Energie und Dünger. Preisschocks schlagen nicht unmittelbar und ungebremst durch. 

Damit trägt der Ökolandbau nicht nur zur ökologischen Resilienz bei, sondern auch zu mehr Preisstabilität und Planungssicherheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von den Höfen über die Verarbeitung bis in den Markt. Dies hat sich schon in den Hyperinflationsjahren nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine bestätigt, als Bio-Lebensmittel wesentlich preisstabiler waren als konventionelle Produkte.  

Zukunftsfähige Politik muss echte Resilienz fördern 

Echte Resilienz entsteht nicht von allein – sie ist das Ergebnis guter politischer Rahmenbedingungen. Der BÖLW fordert daher eine stabile, verlässliche Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), die Umweltleistungen in den Mittelpunkt stellt, systematisch honoriert und langfristig absichert. Nur so entstehen die notwendigen Impulse für den Umbau hin zu widerstandsfähigen, ressourcenschonenden Agrarsystemen. 

Eine vermeintliche Ernährungssicherheit, die massiv abhängig ist von fossiler Energie, globalisierten Vorleistungsketten und Futtermittelimporten, ist keine echte Ernährungssicherheit. Sie bleibt hochgradig krisenanfällig und verlagert Risiken in die Zukunft. 

Politik muss deshalb gezielt jene Systeme stärken, die Abhängigkeiten abbauen, regionale Kreisläufe fördern und Umwelt und Klimaleistungen erbringen. Der Ökolandbau zeigt, dass genau dies möglich ist – und leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag zu Resilienz, Preisstabilität und Ernährungssouveränität.  

Mit Blick auf die aktuellen Pläne zum Heizungsgesetz appelliert der BÖLW an die Politik, den Weg der größten Effizienz zu gehen. Landwirtschaftliche Flächen müssen vorrangig für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehen. Die Nutzung von Ackerflächen für die Energieproduktion verschärft Flächenkonkurrenz und schwächt die Ernährungssicherheit. 

Erneuerbare Energie lässt sich um ein Vielfaches effizienter mit Photovoltaik und Windkraft erzeugen als über Energiepflanzen. Biogas kann einen Beitrag leisten, muss aber auf die Nutzung von Rest und Abfallstoffen beschränkt bleiben. Ein weiterer Ausbau auf Basis eigens angebauter Energiepflanzen ist weder effizient noch nachhaltig. Teller vor Tank muss auch in der Energiepolitik gelten. 

Für echte Resilienz und Ernährungssicherheit braucht es folgende Maßnahmen: 

  • Die konsequente Ausrichtung der Agrarförderung auf resiliente Produktionsverfahren wie den ökologischen Landbau, sowohl in der aktuellen als auch der nächsten Förderperiode der gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) 
  • Einen Ausstiegs-Fahrplan aus der Nutzung fossiler Betriebsmittel, insbesondere synthetischem Stickstoffdünger 
  • Die Stärkung biologischer Prozesse wie Bodenfruchtbarkeit, Humusaufbau und natürlicher Stickstofffixierung 
  • Den Ausbau regional-ökologischer Wertschöpfung und Kreisläufe statt globaler Inputabhängigkeit 
  • Flächengebundene Tierhaltung,die nicht auf Importfuttermittel angewiesen ist 
  • Die Stärkung der gentechnikfreien und damit patentfreien Pflanzenzüchtung 
  • Eine Begrenzung der Produktion von Energie aus Pflanzen mit Fokus auf Nutzung von Rest- und Abfallstoffen. 

Berlin, 30.03.2026


Ihr Kontakt zum BÖLW

Annette Bruhns
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 +49 30 28482-308
bruhns[at]boelw.de