Foto: BÖLW/Maurice Weiss
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Pressemitteilung

10. Bio-Empfang: Ringen um den richtigen Weg

Bundesumweltminister pocht auf Honorierung von Umweltleistungen

Berlin, 19. Januar 2026. Der 10. Bio-Empfang auf der Grünen Woche führte zu einem Schlagabtausch über richtige Wege in der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Die Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Tina Andres, mahnte als Gastgeberin an, keins der „großen Probleme“ würde gelöst, wenn alle Verordnungen der letzten 20 Jahre zum Schutz von Natur und Umwelt „vom Tisch gewischt“ würden. Während der Bundesumweltminister diese Ansicht deutlich unterstützte, warb der Staatssekretär aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium für gen-technische Lösungen. Alle Gastredner, auch die Vertreterin der Bündnis-Grünen, waren sich einig: Bio ist eine erfolgreiche und daher unterstützenswerte Transformationsbranche.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) beim Bio-Empfang im O-Ton: 

„Alle, die behaupten, der Naturschutz, die Bio-Landwirtschaft, die Nachhaltigkeit stünden dem Wachstum im Wege, und die Zukunft läge im mehr, weiter, höher, denen sage ich: Das Gegenteil ist der Fall! Dass die Umweltstandards im Vorschlag der Kommission zur Gemeinsamen Argrarpolitik (GAP) nicht vorkommen, dass wir also nicht mehr einheitliche Standards in Europa haben sollen, ist nicht zu akzeptieren! Ein fester Anteil an den Direktzahlungen der GAP muss für Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen verwendet werden. Naturschutzmaßnahmen sind keine kostenlosen Leistungen. Umweltleistungen müssen aus dem Agrarbudget honoriert werden.

Es gab eine Entscheidung für die neuen genomischen Techniken der Kommission und der dänischen Ratspräsidentschaft, die dazu führen würde, dass ich als Verbraucher am Ende nicht weiß, ob ich ein Produkt mit oder ohne Gentechnik vor mir habe. Diese Entscheidung, die auch für diejenigen, die Bio-Landwirtschaft betreiben eine deutliche Verschlechterung bedeuten, tragen wir als Sozialdemokraten nicht mit. 

Sie haben mich an Ihrer Seite!Ich möchte meine ganze Kraft darin investieren, dass wir weitermachen mit der natürlichen und nachhaltigen Nutzung unserer Böden, unserer Seen und unserer Natur, ohne sie auszunutzen.“ 

BMLEH-Staatssekretär Prof. Dr. Dr. Markus Schick sagte: 

„Die Bio-Lebensmittelwirtschaft ist eine Erfolgsgeschichte, die wir fortschreiben möchten: Sie steht für einen Umsatz von rund 18 Milliarden Euro im Jahr; und die Fläche, auf der Öko-Landbau betrieben wird, hat sich verdreifacht. Wir glauben, dass gerade die Bio-Landwirtschaft einen Beitrag zur regionalen Identität leistet, dass Bio-Produkte für viele Menschen die Heimat wider spiegeln. Es wird auch weiterhin ein Bundesprogramm Ökologische Landwirtschaft geben.

Trotzdem gehört zur Wahrheit, dass wir Einsparverpflichtungen haben. Daher müssen wir priorisieren, und so wird es im Bereich der Öko-Landbau eine Fokussierung geben in dieser Legislaturperiode: auf die Gemeinschaftsverpflegung und auf die Unterstützung der Kommunen bei der Umsetzung des ökologischen Umbaus.

Bei der Gentechnik sprechen wir über neue genomischen Techniken der Kategorie 1. Dabei werden keine Gene eingeschleust, sondern Veränderungen erzeugt, die auch auf natürlichem Wege zustande kommen könnten. Wir können auf die Weise Kulturen züchten und anbauen, die den jetzigen klimatischen Bedingungen nicht mehr gewachsen sind. Wir haben im Koalitionsvertrag versprochen, dass wir innovativ sein wollen. Dass sich Deutschland bei der Entscheidung enthalten hat, wollten wir nicht!“

Dr. Ophelia Nick, agrarpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen:

„Die Bio-Branche ist eine Wachstumsbranche, die heute nahezu 400.000 Menschen Arbeit gibt. Wenn ein Land so eine Wachstumsbranche hat, die Arbeit gibt, die nachhaltig und damit zukunftsfähig ist, dann muss man die auch unterstützen! Wir können es nicht machen wie mit der Automobilbranche. Da hieß es immer, die Elektromobilität sei ein grünes Hirngespinst. Mittlerweile lebt China sozusagen von Elektroautos. 

Das Tierhaltungsgesetz ist ja nun leider nochmal um ein Jahr verschoben worden. Viele Schweinehalter wollen dieses Gesetz, haben sich auf den Weg gemacht, in Nachhaltigkeit investiert, mehr Platz und Frischluft für ihre Schweine geschaffen. Wir wollen es zum Geschäftsmodell machen, und dafür braucht man ein Kennzeichen, auf das Verbraucherinnen und Verbraucher vertrauen können. So wie das Bio-Siegel, so wie das Ohne-Gentechnik-Siegel. Da muss mehr passieren! 

Es reicht nicht, wie die jetzige Regierung den Kopf in den Sand zu stecken und zu meinen, wenn wir nicht darüber reden, sind die Probleme nicht da. Die Klimakrise ist da, das Artensterben ist da, wir haben die Wasserbelastung: All diese Probleme sind da und müssen gelöst werden. Hier bei Bio sind Menschen, die das selber in die Hand nehmen, die innovativ sind, die Modelle zeigen, wie das geht. Lassen Sie uns auch weiter für Unterstützung kämpfen. Wir stehen bereit.“ 


Ihr Kontakt zum BÖLW

Annette Bruhns
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 +49 30 28482-308
bruhns[at]boelw.de