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Der Jobmotor Bio schnurrt – und hat noch Potenzial

Mehr Umsatz, mehr Arbeitsplätze, und das in einem insgesamt krisenhaften Umfeld: Die Bio-Branche zeigt, wie Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum zusammengehen. 2024 arbeiteten 388.000 Menschen in der Bio-Lebensmittelwirtschaft – 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die deutsche Bio-Branche bietet deutlich mehr Arbeitsplätze als die hiesige Chemieindustrie, die laut eigenen Angaben rund 330.000 Menschen aktuell beschäftigt. Auf rund 388.000 Bio-Beschäftigte im Jahr 2024 kommt eine Erhebung im Auftrag des BÖLW. Das sind 8.000 mehr Jobs und damit ein Plus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2009 mit damals 180.000 Arbeitsplätzen hat sich der Bio-Arbeitsmarkt mehr als verdoppelt. Der Löwenanteil der Arbeitsplätze, 43 Prozent, fallen bei der Herstellung und Verarbeitung von Bio-Rohware an. An zweiter Stelle kommt die Öko-Landwirtschaft mit 30 Prozent; im Bio-Handel arbeiten etwas mehr als ein Fünftel (21 Prozent) aller Beschäftigten. Gemeinsam mit den 406.000 Beschäftigten in der Erneuerbare-Energien-Branche schaffen die Transformationsbranchen Bio, Solar, Wind- und Wasserkraft gemeinsam mehr Jobs als die Autoindustrie – 794.000 versus 773.000 Jobs.

Fast die Hälfte der befragten Hersteller- und Handelsunternehmen – 46 Prozent – planen Neueinstellungen. Zwei Drittel gab an, nicht die gewünschten Mitarbeitenden finden zu können: Der Fachkräftemangel macht vor der Bio-Branche nicht halt. Vorsichtig geschätzt gibt es 10.000 bis 15.000 potenzielle weitere Bio-Arbeitsplätze, die derzeit unbesetzt sind. Für die Erhebung wurde neben Zahlen aus landwirtschaftlichen Statistiken die Antworten aus einer repräsentativen Umfrage hochgerechnet, an der sich 362 Betriebe aus Bio-Herstellung und -Handel mit mehr als 4 Milliarden Euro Gesamtumsatz beteiligten.

Mehr als ein Drittel der Betriebe beschäftigen Menschen mit Handicap oder Fluchthintergrund.

Ihren Nachwuchs zieht sich die Bio-Branche zu großen Teilen selbst heran: 38 Prozent der befragten Verarbeiter- und Handelsbetriebe bilden aus. Damit liegt die Ausbildungsquote bei Bio gut doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft mit einer Quote von 18,8 Prozent. Die Bio-Branche beschäftigt Menschen in einem sehr weiten beruflichen Spektrum Arbeit – neben Bäuerinnen, Kaufleuten, Köchinnen oder Bäckern arbeiten für Bio Maschinen- und Anlagenfahrer, Logistik-Fachkräfte, IT-Technikerinnen, Juristen, Vertrieblerinnen und Marketingspezialisten. Inklusion und Integration drückt sich bei Bio in Zahlen aus: 37 Prozent der Hersteller und Händler beschäftigen Menschen mit Handicap; in 35 Prozent der Betriebe arbeiten Geflüchtete. 

Die Branche ist weiblich: 57 Prozent aller Beschäftigten in Bio-Handel und -Verarbeitung sind Frauen. 42 Prozent sind männlich, 1 Prozent bezeichnet sich als divers. Wenn man nur auf die Herstellung schaut, ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen mit 49,6 Prozent Frauen und 50,4 Prozent Männern. Damit steht es bei Bio mit der Chancengleichheit besser als in der gesamten Ernährungsindustrie, die 2023 nur 38 Prozent weibliche Mitarbeitende hatte.


Ihr Kontakt zum BÖLW

Annette Bruhns
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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bruhns[at]boelw.de