Zum Inhalt springen
EU-Agrarpolitik_Reform2020_bolt-1484936_1920.jpg
  • News
Pressemitteilung

„Kurswechsel bevor es zu spät ist für Bauern und Umwelt“

BÖLW zum GAP-Treffen von Bund und Ländern mit EU-Agrarkommissar Hogan

Berlin/Brüssel, 10.07.2018. Das heutige Treffen von EU-Agrarkommissar Hogan und EU-Haushaltskommissar Oettinger mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und den Agrarministern der Bundesländern zur Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) kommentiert Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW):

„Die GAP entscheidet mit über 50 Mrd. € pro Jahr, welche Landwirtschaft sich für Europas Bauern lohnt.

Mit seinen Vorschlägen zur GAP nach 2020 durchkreuzt Agrarkommissar Hogan die Umwelt- und Klima-Ziele der EU. Agrarmilliarden sollen auch künftig vor allem Landbesitz belohnen, statt Betriebe zu unterstützen, die deutlich mehr für die Umwelt, das Klima, den Lebensraum der Wildpflanzen oder artgerechte Tierhaltung tun.

Das Ergebnis der verfehlten Agrarpolitik ist teuer und fatal. Bauernhöfe müssen schließen, Insektenvielfalt schrumpft, an vielen Grundwassermessstellen überschreiten die Nitratwerte die Grenzwerte. Die Bürger zahlen mit ihren Steuern nicht nur Jahr für Jahr über 100 € in den GAP-Topf ein, sondern werden zusätzlich für Folgen schädlichen Wirtschaftens zur Kasse gebeten, etwa wenn das Trinkwasser immer aufwändiger von Nitrat- oder Pestizidverschmutzungen gereinigt werden muss.

Deutschland muss entschieden für einen agrarpolitischen Kurswechsel eintreten. Denn sonst können weitere sieben Jahre mitunter irreversible Schäden an unseren Ökosystemen angerichtet werden. Unter anderem deshalb raten die wissenschaftlichen Beiräte für Agrarpolitik und Biodiversität der Bundeslandwirtschaftsministerin eindringlich zum Umbau der GAP. Auch der Koalitionspartner der Union will den Ausstieg aus den pauschalen Flächenzahlungen. Julia Klöckner muss sich in Brüssel dafür einsetzen, dass mit Steuergeld diejenigen Bauern unterstützt werden, die Wasser schützen, Artenvielfalt stärken, Boden fruchtbar erhalten und ihre Tiere artgerecht halten.

Nur ein echter Kurswechsel macht die Landwirtschaft zukunftsfähig, stärkt Bauern und Umwelt und sorgt für Rückhalt bei den Bürgern.“


Hintergrund
Die Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gehört zu den wichtigsten Aufgabenfeldern der Europäischen Union – alle sieben Jahre werden die Grundsätze, Ziele und das Budget für die GAP neu geregelt. Mit der GAP werden jedes Jahr über 50 Milliarden Euro in die Landwirtschaft Europas investiert. Rund 6 Mrd. Euro fließen aktuell alljährlich nach Deutschland. 4,8 Mrd. Euro davon werden für Flächenprämien (1. Säule, Direktzahlungen) ausgegeben, etwa 400 Euro kommen dabei pro Hektar und Jahr zusammen. Der sehr viel kleinere Teil wird in Leistungen für Umwelt, Klima, Tierschutz etc. investiert (2. Säule, ländliche Entwicklung). Dieses Missverhältnis könnte nach Willen der EU-Kommission noch verstärkt werden, indem der Umwelt-Topf stärker gekürzt werden soll als die Direktzahlungen.

Gleich zwei Beratungsgremien des BMEL haben Berichte zur Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik erstellt, in denen die Beiräte grundlegende Änderungen in der GAP fordern: „Für eine Gemeinsame Agrarpolitik, die konsequent zum Erhalt der biologischen Vielfalt beiträgt“, eine Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats für Biodiversität und Genetische Ressourcen beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie „Für eine gemeinwohlorientierte Gemeinsame Agrarpolitik der EU nach 2020: Grundsatzfragen und Empfehlungen“, eine Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz.

Der BÖLW hat ein Nachhaltigkeitsmodell für die Gestaltung der GAP 2020 erarbeitet. Es baut auf der Position der IFOAM EU Group auf, die im Rahmen eines zweijährigen Diskussionsprozesses zwischen Bauern aus ganz Europa entwickelt wurde. Das gesamte Positionspapier des BÖLW mit dem Nachhaltigkeitsmodell zur GAP 2020 kann hier eingesehen werden: www.boelw.de/gap2020.


1697 Zeichen (Statement), Veröffentlichung honorarfrei, um ein Belegexemplar wird gebeten, Ansprechpartner: Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, +49 171 3035686


Der BÖLW ist der Spitzenverband deutscher Erzeuger, Verarbeiter und Händler von Bio-Lebensmitteln und vertritt als Dachverband die Interessen der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland. Mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken wurden 2017 von über 40.000 Bio-Betrieben über 10 Mrd. Euro umgesetzt. Die BÖLW-Mitglieder sind: Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller, Bioland, Biokreis, Biopark, Bundesverband Naturkost Naturwaren, Demeter, Ecoland, ECOVIN, GÄA, Naturland, Arbeitsgemeinschaft der Ökologisch engagierten Lebensmittelhändler und Drogisten, Reformhaus®eG und Verbund Ökohöfe.


Ihr Kontakt zum BÖLW

Joyce Moewius
Referentin Presse

 +49 30 28482-307
presse[at]boelw.de

Weitere aktuelle Beiträge

BioFAQ_Grundlegendes_Spielberger-2.jpg
Pressemitteilung

Umbau ist Regierungsaufgabe

Gesamte Wertschöpfungskette in den Blick nehmen
 | 

Öko wird von der Zukunftskommission Landwirtschaft als das Nachhaltigkeitsprogramm beschrieben, das wirkt und über relevanten und dynamischen Markt verfügt.

Sonstige_Bundesregierung_reichstag-324982_1920.jpg
Pressemitteilung

BÖLW zum Ergebnis der Sondierungen

Nebelkerze: Pestizide auf „das notwendige Maß begrenzen“ rettet kein Insekt
 | 

Wer Arten wirklich schützen will, braucht Kontrolle der staatlichen Pestizid-Vorgaben und muss ökonomische Anreize setzen, um Pestizideinsatz zu verringern.

EU-Agrarpolitik_Reform2020_cow-929632_1920.jpg
Stellungnahme

Nationale Ausgestaltung der GAP ab 2023

GAP Direktzahlungen- und GAP-Konditionalitäten-Verordnung
 | 

BÖLW legt konkrete Vorschläge für die nationale Ausgestaltung der neuen GAP vor, damit Öko-Ziele der Bundesregierung und EU erreicht werden können.