Berlin, 1. November 2026. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken wuchs im dritten Quartal 2026 um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 4,42 Milliarden Euro. Damit erreichte der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt erstmals die Rekordmarke von 8,1 Prozent laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Das Quartalswachstum überstieg nahezu um ein Zehnfaches die Teuerungsrate für Lebensmittel von insgesamt 0,3 Prozent. Von Januar bis September 2026 kommt das Bio-Segment auf ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während der Lebensmittelmarkt insgesamt um 1,6 Prozent steigt.
Besonders hoch fiel im dritten Quartal das Wachstum bei den Drogeriemärkten und im E-Commerce aus mit jeweils 7,8 Prozent. Da Bio in Drogerieketten zuletzt mehrfach zweistellig wuchs, konsolidiert sich dort der Umsatz möglicherweise allmählich, aktuell mit einem Anteil am Bio-Markt von 12,7 Prozent. Die Discounter sind dank ihres großen Bio-Frische-Angebots um 4,4 Prozent gewachsen (Marktanteil: 27,8 Prozent); die Vollsortimenter wuchsen um 2,6 Prozent (Marktanteil: 31,4 Prozent).
Das Wetter beeinflusste den Konsum spürbar. An den außergewöhnlich häufigen Hitzetagen mieden die Menschen Innenstädte und Malls, während die Nachfrage nach Eis und kalten Getränken boomte. Die Menschen aßen viel auswärts und setzten daheim auf leichte Küche, was den Absatz an Bio-Mozzarella, -Feta, -Melonen und -Salat trieb. Die Hitze könnte neben der allgemeinen Kaufzurückhaltung auch Grund für den Umsatzrückgang im Naturkostfachhandel um 2 Prozent auf einen Marktanteil von 17,3 Prozent sein: Die Wege zu Bio-Läden sind im Schnitt weiter. Der Rekord-Anteil des E-Commerce am Bio-Umsatz von 4,7 Prozent dagegen dürfe auf der Anlieferung frei Haus beruhen.
„Der wachsende Bio-Markt ist ein Weckruf“, kommentiert Tina Andres, BÖLW-Vorstandsvorsitzende. „Die Menschen erwarten zu Recht, dass gerade die Bio-Branche Lebensmittel regional erzeugt und Wasser, Insekten und Vögel in ihrer Heimat schützt.“ Aufgabe der Politik sei es, Bauern und Bäuerinnen zur Umstellung auf Ökolandbau zu ermutigen und deren Leistungen für das Gemeinwohl ausreichend zu honorieren. „Die Bundesregierung muss für gute Rahmenbedingungen für heimisches Bio sorgen.“
Der Bio-Spitzenverband BÖLW erhebt 2026 erstmals in Zusammenarbeit mit der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft Quartalszahlen für den Bio-Markt, basierend auf Daten der Marktforschungsinstitute NIQ Nielsen und YouGov sowie für den Fachhandel bioVista und BioBerater SDServices.
Hintergrund:
Der Jahresumsatz mit Bio-Lebensmitteln lag 2025 bei 18,23 Milliarden Euro. Die Branche beschäftigte 2024 388.000 Menschen in Deutschland. Der Bio-Anteil an der Agrarfläche liegt bei 11,7 Prozent; jeder siebte Hof wirtschaftet hierzulande ökologisch. Deutschlands Nachhaltigkeitsziel sieht einen Anteil von 30 Prozent Öko-Landbau bis 2030 vor.
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