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Umsatz, Absatz, Importe

Steigende Nachfrage, knappes Angebot

Der Bio-Markt in Deutschland verzeichnet das zweite Jahr in Folge deutliches Wachstum. Für 2025 ermittelte der Arbeitskreis  Biomarkt einen Anstieg der Verbraucherausgaben für Bio-Lebensmittel und -Getränke von 6,7 Prozent. Auch der Fachhandel 
behauptet sich erfolgreich. Für das Plus sorgte mehr Absatz – die Preise blieben fast stabil.

Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken in Deutschland hat 2025 das Rekordniveau von 18,23 Milliarden Euro erreicht. Damit wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent – ausgehend von einem nach oben korrigierten Jahresumsatz 2024, von 16,99 auf 17,09 Milliarden Euro. Grund der rückwirkenden Korrektur war, dass die Marktabdeckung sich insbesondere dank Scannerkassendaten von Aldi und Lidl verbessert hat. Im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) legte das Bio-Segment mit einem Plus von 8,7 Prozent auf 12,76 Milliarden Euro überdurchschnittlich zu. Der LEH, also Vollsortimenter, Discounter und Drogeriemärkte, erreicht damit einen Anteil am Bio-Markt von 70 Prozent. 

Die Verbraucherpreise blieben für das Trockensortiment stabil; die Preise für frische Bio-Lebensmittel stiegen um gut zwei Prozent. Die leichten Preissteigerungen fallen damit deutlich kleiner aus als in den Inflationsjahren 2022 und 2023; die Verbraucherpreise halten sich im Schnitt auf dem damals erreichten Niveau. Das Umsatz-Plus basiert daher wie in 2024 in erster Linie auf einem Absatz-Plus.

 

Schon das dritte Jahr in Folge performte Bio in den Drogeriemärkten mit einem Plus von 14,4 Prozent am erfolgreichsten und erreichte dort einen Marktanteil von 11 Prozent am gesamten Bio-Markt – bei verpackten Bio-Produkten sogar von gut 20 Prozent.

In den Vollsortimentern wuchs der Bio-Umsatz 2025 um 8,6 Prozent, stärker als in den Discountern mit 6,7 Prozent. Im Discount-Bereich machte sich die große Konkurrenz im Trockensortiment durch die Drogeriemärkte bemerkbar, die deutlich mehr Produktauswahl haben. 

Der Naturkosthandel behauptete sich mit robustem Wachstum. Die Umsätze mit Bio-Lebensmitteln in Bio-Läden und Bio-Supermärkten lagen 2025 bei 3,3 Milliarden Euro und damit 2,3 Prozent über dem Vorjahresniveau (2024: 3,26 Milliarden Euro). Das heißt: Nahezu ein Fünftel aller Bio-Lebensmittel in Deutschland werden in Bio-Läden und Bio-Supermärkten verkauft. Angesichts der Rahmenbedingungen hat sich der Bio-Fachhandel 2025 damit erfolgreich behauptet: Das Konsumklima ist nach wie vor gedämpft und die Preissensibilität der Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt hoch. Unter diesen Bedingungen und im Wettbewerb mit dem LEH ist das Wachstum des Bio-Fachhandels ein Beleg für Stabilität und Resilienz. Das zeigt auch die Auswertung der Bons: Bei gleichbleibender Anzahl der Bons und damit der Kaufvorgänge stieg der Bon-Wert im Schnitt um 40 Cent auf 21,56 Euro. 

Eine weitere Kennzahl unterstreicht die besondere Rolle des Fachhandels innerhalb der Bio-Wirtschaft: Der Bio-Eigenmarkenanteil lag 2025 im Bio-Fachhandel bei lediglich rund 12 Prozent, während er im LEH mit 67 Prozent bei verpackten Bio-Produkten einen neuen Höchststand erreichte. Während das Wachstum insgesamt also zunehmend von den Eigenmarken des Handels getragen wird, bleibt der Bio-Fachhandel ein zentraler Absatz- und Profilierungsraum für Bio-Marken und breit gefächerte Sortimente - insbesondere im Frische-Bereich. So entfielen 62,5 Prozent der Umsätze des Fachhandels 2025 auf frische Bio-Lebensmittel wie Obst und Gemüse sowie Milch- und Fleischprodukte. Trockenprodukte wie Mehl, Müsli oder Nudeln standen 2025 für 26,9 Prozent der Umsätze im Bio-Fachhandel.

Sonstige Einkaufsstätten – Direktvermarkter, Hofläden, Märkte – holen auf mit einem Plus von 2,1 Prozent. Das Plus generieren vor allem die Online-Verkäufe der Direktvermarkter, aber auch Wochenmärkte. Das Lebensmittelhandwerk, darunter Bio-Bäckereien und -Fleischereien, schreibt stabile Zahlen. 

Bio-Anteil im E-Commerce bei 20 Prozent aufwärts

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft hat erstmals die Bio-Anteile im wachsenden Lebensmittel-E-Commerce bei den Anbietern abgefragt. Demnach erreichte Bio im Lieferservice Umsatz-Anteile von in der Spitze 28 Prozent (Tegut), gefolgt von 26 Prozent (Knuspr) und 20 Prozent (Rewe). Das ist mehr als dreimal so viele wie im gesamten Lebensmittelmarkt. Bio-Qualität ist online fast immer gefragt: 86 Prozent der Bestellungen bei Knuspr enthielten mindestens ein Bio-Produkt, 85 Prozent beim Rewe Lieferservice, 70 Prozent sowohl bei Wolt als auch Picnic. 

Die Abverkäufe im stationären Einzelhandel unterscheiden sich je nach Produktgruppe. Zweistellige Wachstumsraten in der Menge erreichten Geflügel, Mehl, Joghurt sowie Milch- und Fleischalternativen. Auch echte Milch- und Molkereiprodukte entwickelten sich sehr dynamisch – Quark, Konsummilch, Käse. Bio-Mehl wird nur 10 Cent teurer als konventionelles verkauft und erreicht einen Anteil am Mehl-Gesamtmarkt von 22 Prozent. Bei Joghurt punkten die Molkereien mit Volumen: Die Ein-Kilogramm-Eimer führen zu größeren Verkaufsmengen. Bei Obst und Gemüse war die Versorgung sowohl mit heimischem als auch importiertem Gemüse besser als 2024. 

Bei einigen Produkten sanken die Mengen, weil die Erzeugung nachgab oder die Preise wegen der Knappheit so stiegen, dass sie der abnehmenden Hand zu teuer waren – so bei Schweine- oder Rindfleisch. Auch der hohe Bio-Butter-Preis führte zu Kaufzurückhaltung. Geflügel ist gefragter denn je, die Bio-Produzenten haben nachgerüstet – nicht nur in Deutschland, sondern vor allem auch in Österreich.

Knappheiten lassen sich zwar nicht beziffern, da der Handel international einkauft – und bei Import-Entscheidungen auch günstigere Preise im Ausland ausschlaggebend sein können. Höhere Preise für deutsches Bio wiederum können ein Hinweis sein auf Knappheit. Dass in Deutschland Bio-Ware eingekauft wird, die durchaus hier produziert werden könnte, zeigt jedoch die Importstatistik, die die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft für 2024 und Vorjahre erhoben hat. Importiert werden demnach seit Jahren Produkte, die hierzulande ganzjährig verfügbar sein könnten: etwa Getreide, Milch, Schweinefleisch, Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln. Nach der großen Umstellungswelle 2017 bis 2019 gingen die Importraten vielfach zwar zunächst zurück, steigen aber seit 2023 wieder deutlich. 

Was die Importstatistik über Knappheit verrät

Milch, Joghurt und Butter kommen aus Nachbarländern wie Dänemark und Österreich. 2017 wurde noch ein Drittel der Bio-Milch – umgerechnet in Milchäquivalente, um alle Milchprodukte zu berücksichtigen – importiert. Durch gestiegene Inlandsproduktion war 2022 dieser Wert auf 22 Prozent gesunken, um seitdem wieder anzusteigen auf 24 Prozent in 2024. Aktuell werden deutlich mehr Bio-Milchprodukte nachgefragt, als das Produktionswachstum von einem Prozent liefern kann. Auch bei Schweine- und Rindfleisch steigen die Importe. Gut ein Drittel des Bio-Schweinefleischs stammte 2024 aus Nachbarländern. Die leichte Produktionssteigerung in 2025 deckte bei Weitem nicht die Nachfrage. Stattdessen gibt es neue Lieferländer für Bio-Schwein: Spanien und Belgien. Der Stopp des Bundesprogramms zum Umbau der Nutztierhaltung verschärft die Lage bei der Versorgung: Die gerade im Tier-Bereich nötigen Investitionen bei der Umstellung fehlen. Bei Obst- und Gemüse sind die Importraten abhängig von den Erntemengen hier und in den Lieferländern.

Doch selbst die Produktion der gängigsten Feldgemüsearten reicht nicht für die Inlandsversorgung: Rund 40 Prozent der Bio-Möhren und 25 Prozent der -Zwiebeln stammten in der Saison 2024/25 aus Nachbarländern. Es gibt allerdings auch Gegenbewegungen. Erklärtes Ziel des Branchenzusammenschlusses für Bio-Kartoffeln ist es, ganzjährig Kartoffeln aus Deutschland anzubieten. Mit Erfolg: Die Importraten bei Bio-Kartoffeln sind 2025 auf 15 bis 19 Prozent gesunken - und dürften nach der guten Ernte 2025 weiter abnehmen.


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Annette Bruhns
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