Foto v.l.r.: Peter Röhrig, Tina Andres, Martin Weyand
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Pressemitteilung

Grüne Woche: Bio boomt – Politik muss von der Bremse!

Wasserwerke fördern Ökolandbau: Potenzial von gut 1,8 Millionen Hektar

Berlin, 15. Januar 2026. Der Bio-Markt boomt in 2025 im zweiten Jahr in Folge nach Russlands Angriffskrieg. Dieser Trend wird von der Politik jedoch weitgehend ignoriert und damit positive Nebeneffekte beispielsweise für den Schutz des Wassers aufs Spiel gesetzt. Das ist das Fazit, das Vorstände des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) auf der Grünen Woche gemeinsam mit einem Spitzenvertreter des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zogen.  

Bio erreicht im Online-Handel dreimal so hohe Anteile laut BÖLW 

Dass der Jahresumsatz mit Bio, der laut Schätzungen verschiedener Forschungsinstitute um 8 bis 10 Prozent auf mehr als 18 Milliarden Euro 2025 gegenüber 2024 anstieg, noch Luft nach oben hat, zeigen neue Zahlen des BÖLW. Demnach erreichte Bio im stark wachsenden Online-Lieferservice durchschnittliche Umsatz-Anteile von in der Spitze 28 Prozent (Tegut), gefolgt von 26 Prozent (Knuspr) und 20 Prozent (Rewe) in 2025. Das ist deutlich mehr als im gesamten Lebensmittelmarkt, wo Bio aktuell bei einem Anteil von schätzungsweise 7,5 Prozent liegt.

Wachsender Arbeitsmarkt: Bio-Branche schafft 388.000 Jobs 

Auch der Bio-Arbeitsmarkt wächst. Die Branche beschäftigt mindestens 388.000 Menschen in Deutschland laut einer Erhebung im Auftrag des BÖLW – ein Anstieg von 2,1 Prozent in 2024 im Vergleich zu 2023. Damit geben die Transformationsbranchen Bio und Erneuerbare Energien gemeinsam mehr Menschen Arbeit als die Autoindustrie – 794.000 versus 773.000. Bio wird Jobmotor bleiben: 36 Prozent aller befragten Bio-Unternehmen meldeten offene Stellen; 46 Prozent planten Neu-Einstellungen. 43 Prozent der Bio-Jobs schaffen die Verarbeiter-Betriebe, 30 Prozent die Bio-Höfe. Bio sorgt damit besonders im ländlichen Raum für Arbeit und Heimat.  

Umstellung in Trinkwasserschutzgebieten könnte Bio-Fläche verdoppeln 

Trotz des Runs auf Bio-Produkte ist ungewiss, ob Deutschland sein Nachhaltigkeitsziel von 30-Prozent-Ökolandbau in 2030 erfüllen wird. Eine Ausweitung der Bio-Fläche gilt insbesondere in Trinkwasserschutz-Gebieten als geboten. Schätzungsweise 1,84 Millionen Hektar Agrarfläche werden in Deutschlands Wassergewinnungsgebieten noch konventionell bewirtschaftet laut Berechnungen des deutsch-französischen Forschungsunternehmens Ecozept. Würden diese Flächen auf Bio umgestellt, wäre das einerseits gut für die Sicherung der Wasserqualität. Zugleich würde Deutschlands Öko-Flächenanteil substanziell wachsen: von 11,4 Prozent (2024) auf mehr als 22 Prozent. 

Wasserwerke in München, Leipzig oder Ostfriesland fördern aktiv Ökolandbau 

Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/ Abwasser beim BDEW, dazu:  
 
„Der ökologische Landbau leistet einen wichtigen Beitrag zum vorbeugenden Trinkwasserschutz. Er vermeidet systemimmanent erhöhte Nitrateinträge und verzichtet auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Angesichts zunehmender Belastungen der Wasserressourcen stehen Wasserversorger vor wachsenden Herausforderungen, die sich ohne einen wirksamen rechtlichen Rahmen weiter verschärfen werden. Die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts wie zum Beispiel zum eingeforderten Nitrat-Aktionsprogramm, und das kürzlich veröffentlichte Gutachten zur Beurteilung des Nährstoffberichts Niedersachsen 2023/2024 von Taube und Bach unterstreichen, wie dringend zusätzlicher Handlungsbedarf besteht. So zeigt das Gutachten, dass seit der Novellierung der Düngeverordnung von 2017 keine substanzielle Verbesserung der Gewässerqualität erreicht worden ist. 

Hohe Nitratbelastungen führen bereits heute zu Mehrkosten in der Trinkwasseraufbereitung, etwa durch Vorsorge oder Aufbereitung. Trinkwasser kann als wichtigstes Lebensmittel nicht ersetzt werden und die Qualität entscheidet sich nicht nur im Wasserwerk, sondern vorgelagert in den Einzugsgebieten. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir jede Form der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung, die nachweislich zur Reduzierung von Stoffeinträgen beiträgt und damit den Schutz unserer Trinkwasserressourcen stärkt. Die Grüne Woche in Berlin bietet hierfür einen wichtigen Ort des gemeinsamen Dialogs.“ 

„Öko first“ – Politik muss die Signale auf Bio stellen  

Tina Andres, Vorsitzende des Bio-Spitzenverbands BÖLW, forderte:  

Zur GAP:

„Die Mittel der Gemeinsamen Agrarpolitik müssen strikt an Umweltleistungen seitens der Begünstigten geknüpft werden – so wie im BÖLW-Stufen-Modell. Öffentliche Mittel für öffentliche Leistungen: Das ist die Devise in Zeiten knapper Kassen und globalen Krisen. Die Politik darf den Run auf Bio nicht verschlafen, sondern muss die Signale auf Öko stellen!”  

Zur Bio-Strategie der Bundesregierung

„Zur Bio-Strategie gehört das Bundesprogramm Ökologischer Landbau, weil es für Bio-Innovation sorgt. Die dafür bewilligten Mittel – 40 Millionen Euro in 2026 – sind blockiert, weil die erforderlichen Verpflichtungsermächtigungen zu niedrig angesetzt wurden. Minister Rainer muss diesen haushälterischen Fehler schnell korrigieren und die Bio-Strategie umsetzen!” 

Zum Bio-Mittelstand

„Gute Politik für ,Baked in Germany‘ bedeutet: ,Think small first!‘ Ein starker Mittelstand sorgt für eine resiliente Wirtschaft und gibt Menschen Heimat. Gute Politik für den Boom-Sektor Bio heißt: Auflagen und Förderung an kleinen und mittelständischen Unternehmen auszurichten.”

Hintergrund: 


Ihr Kontakt zum BÖLW

Annette Bruhns
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 +49 30 28482-308
bruhns[at]boelw.de