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Ökologische Pflanzenzüchtung

Ein Beitrag zu Vielfalt und Resilienz in der Landwirtschaft

Berlin, 18.05.2018. Ökolandbau arbeitet umweltverträglich ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und strebt nach einer großen Bandbreite an Sorten und vielfältigen Kulturarten die ökologisch vermehrt werden können. Die im Ökolandbau verwendeten Pflanzensorten müssen robust und standortangepasst sein, den Anforderungen der diversen Anbausysteme und Absatzmärkte gerecht werden und vom Züchtungsprozess den Prinzipien des Ökologischen Landbaus entsprechen. Eine eigenständige Öko-Züchtung ist notwendig, um ausreichende Erträge im Ökologischen Landbau sicherzustellen, unter Bio-Bedingungen zu steigern und den wachsenden Bedarf an Ökologischen Lebensmitteln zu decken.

Die konventionelle Pflanzenzucht entwickelt Pflanzen für eine Produktionsweise, in der synthetisch hergestellte Dünge- und Pflanzenschutzmittel integraler Bestandteil sind. Im weniger intensiv geführten ökologischen Anbausystem bringen diese Sorten nur bedingt die ge-wünschten Ertrags- und Qualitätseigenschaften. Wichtige Eigenschaften wie z. B. die Tole-ranz gegenüber samen- und bodenbürtigen Krankheiten oder morphologische Vorteile ge-genüber Beikraut werden nicht berücksichtigt.

Der Ökologische Landbau benötigt unter Öko-Bedingungen selektierte, nachbaufähige, ertrags- und qualitätstreue Sorten, die mit den wechselnden Bedingungen des natürlichen Bodenstoffwechsels zurechtkommen.

In der konventionellen Züchtung wird oftmals auf Methoden gesetzt, die einen Nachbau im landwirtschaftlichen Betrieb einschränken oder unmöglich machen. In der Bio-Pflanzenzüchtung hingegen gelten pflanzengenetische Vielfalt und ein breites Sortenportfolio als Kultur- und Gemeingut.

Öko-Züchtung bietet Antworten auf globale Herausforderungen

Die ökologische Pflanzenzüchtung gibt Antworten auf Fragen und Anforderungen, denen die ökologische Landwirtschaft und auch die Landwirtschaft im Allgemeinen heutzutage gegenüberstehen wie z. B. die Anpassung an den Klimawandel oder die geringere Nährstoffverfügbarkeit. Darüber hinaus hat die Öko-Pflanzenzüchtung auch globale Herausforderungen im Blick, wie die Diversifizierung der Lebensmittel für eine ausgewogene Ernährung, Reduktion von Klimagasen, Erhaltung und Nutzung natürlicher genetischer Ressourcen, erhöhte Nährstoff- und Wassereffizienz und Senkung von Wasser- und Luftverschmutzung. Sie arbeitet an Lösungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft:

  • Öko-Zuchtziele sind anders herkömmliche: Widerstandsfähigkeit, Unkrautresistenz und Nährstoffeffizienz statt einheitliche Bestände und Produkthomogenität.
  • Bio arbeitet ohne Gentechnik: Öko-Pflanzenzüchtung respektiert die Zelle und das Genom als unteilbare funktionelle Einheit und schließt alle technischen und physikalischen Ein-griffe in das Genom bzw. isolierte Zellen aus.
  • Partizipativ und Open Source statt Patente auf Leben: Öko-Züchter lehnen Patente ab. Kulturpflanzensorten und die pflanzengenetische Vielfalt werden als gemeinsames Kulturgut angesehen, das es zu schützen und weiterzuentwickeln gilt.

  • Natürliche Ressourcen sind knapp und endlich – Bio schont Ressourcen: Lokal angepasste Sorten und eine größere genetische Vielfalt bieten mehr Widerstandsfähigkeit gegenüber Umweltkrisen.

Potentiale der Öko-Pflanzenzüchtung freisetzen

Für die Praxis auf Bio-Betrieben stehen bisher wenige ökologisch gezüchtete Sorten zur Verfügung, weil sich insgesamt die Öko-Pflanzenzüchtung noch im Aufbaustadium befindet und die Finanzierung der ökologischen Züchtung schwierig ist. Damit Öko-Pflanzenzüchtung zur Normalität im Ökolandbau gedeihen kann, müssen die Bedingungen für kleine und mittelständische Züchtungsunternehmen sowie für einen ganzheitlicheren und auf Vielfalt basie-renden Ansatz in der Züchtung verbessert werden.

Um einen positiven Rahmen für die Förderung einer ökologischen Pflanzenzüchtung zu schaffen, muss die Politik auf EU-, Bundes- und Landesebene folgende Punkte angehen:

  1. Züchtungsstrategie und Züchtungsfonds auflegen
  2. Investition in die Öko-Züchtungsforschung (Pre-Breeding) sicherstellen
  3. Transparenz der Züchtungsmethoden herstellen
  4. Behördenkompetenz und öffentliche Strukturen erhalten
  5. Kriterien der Sortenzulassung dem Bedarf des Ökolandbaus anpassen
  6. Zulassung von Populationen verstetigen
  7. Zugang zu Sorten sichern
  8. Ökologische Pflanzenzüchtung als Teil der Ausbildung etablieren

Für mehr Hintergrundwissen zu den hier aufgezählten Aspekten, lesen Sie die gesamte Position zur Öko-Pflanzenzüchtung (PDF, 7 Seiten, 415 kB).

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Ihr Kontakt zum BÖLW

Kevin Smith-Weißmann
Referent Landwirtschaft

 +49 30 28482-312
smith[at]boelw.de