Zum Inhalt springen
01_Oekolandbau_Entwicklung.jpg
Artikel

81.762 ha neue Bio-Flächen für zukunftsfeste Höfe, Bienen und gutes Essen

Öko-Fläche und Zahl der Bio-Betriebe

Berlin, 15.02.2022. Jeder 7. Hof wirtschaftete 2021 ökologisch, insgesamt 35.716 Höfe in ganz Deutschland. Allein die Flächen der Bio-Verbände summierten sich auf 1.142.022 ha (+ 5,4 %) und machten rund zwei Drittel der gesamten Öko-Fläche aus.

Mit den neuen 81.762 ha im Jahr 2021 beträgt die gesamte Öko-Fläche jetzt 1.784.002 ha – in den letzten fünf Jahren stellten die heimischen Öko-Betriebe über eine halbe Million Hektar Landwirtschaftsfläche um. Öko-Landwirtinnen und -Landwirte, die ihre Betriebe nach der EU-Öko-Verordnung – und damit dem mit Abstand höchsten gesetzlichen Standard der Landwirtschaft – umstellten, trugen mit geschätzten 23.503 ha neuer Öko-Fläche (+ 3,8 %) zu mehr nachhaltig bewirtschafteten Acker-, Obst- und Gemüsebau-, Wein- oder Grünlandflächen bei. Deutlich stärker legte die Bio-Fläche, die nach den Regeln der Öko-Anbauverbände bewirtschaftet wurde, zu - sie stieg um 58.260 ha.

Im Jahr 2021 stellten 320 Betriebe auf Bio um, insgesamt 13,8 % aller Höfe in Deutschland sind Bio-Betriebe. Knapp die Hälfte aller Bio-Höfe setzt auf einen Anbauverband und nutzt dessen Stärke in Beratung, Vermarktung und politischer Vertretung. Die Bäuerinnen und Bauern machen ihre Höfe mit Öko-Landbau zukunftsfest. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, wirksam Umwelt, Klima, Artenvielfalt, Klima und Böden zu schützen.

Der wachsende Bio-Markt konnte mit mehr heimischer Öko-Ware aus den Umstellungen der Vorjahre bedient werden – die Preise blieben deshalb weitgehend stabil. In einigen Bereichen reichte die heimische Produktion nicht aus, etwa beim Bio-Fleisch, das die Kundinnen und Kunden besonders stark nachfragten. Auch bei Körnerleguminosen und Futtergetreide zeichneten sich Knappheiten ab, was im Erzeugerbereich für Herausforderungen sorgte.

Dass viele neue Bäuerinnen und Bauern die Bio-Chance ergriffen, ist gut. Für die Erreichung der Bio-Ziele Europas (25 %) bzw. Deutschlands (30 %) bis 2030 entscheiden sich aber noch zu wenige Höfe für Öko. Damit 30 % der Landwirtschaft ökologisch wird, muss jedes Jahr 12 % mehr Fläche auf Öko umgestellt werden.

Neben der Marktentwicklung ist es entscheidend, dass die nationale Ausgestaltung der neuen gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) auf das 30 % Bio-Ziel ausgerichtet wird. Ebenso muss beim geplanten Umbau der Tierhaltung Bio als Teil der Transformation verstanden werden, was sich sowohl bei der geplanten Haltungskennzeichnung als auch bei der Finanzierun des Tierhaltungsumbaus abbilden muss.

Damit alle Höfe ihre Bio-Chance nutzen können, müssen die Regierenden die politischen Weichen entschieden auf Bio stellen – dem Leitbild für die Land- und Ernährungswirtschaft. Die letzte Bundesregierung bremste mit ihrem Agieren bei der GAP die Umstellung aus. Denn die Landwirtinnen und Landwirte konnten sich nicht sicher sein, ob ihre Öko-Leistungen auch künftig mit der GAP honoriert werden, die mit Milliarden Euro bestimmt, welche Landwirtschaft sich lohnt. Deutschland muss seine eigenen Spielräume jetzt konsequent nutzen. Und sich gleichzeitig in Brüssel bei der Gestaltung der kommenden GAP dafür einsetzen, dass die Agrarpolitik nach der Maxime „öffentliches Geld nur für öffentliche Leistungen“ ausgerichtet wird.

Entscheidend für 30 % Bio ist auch, dass die gesamte Bundesregierung diesen Systemwechsel anpackt. Es gilt, neben dem Umbau der Landwirtschaft und Tierhaltung auch die Bio-Verarbeitung und (damit) den Absatz heimischer Bio-Produkte anzukurbeln, geeignete Infrastruktur und finanzielle Ressourcen in allen notwendigen Bereichen bereitzustellen sowie dafür zu sorgen, dass Bio und Ernährung auf dem Lehrplan stehen – von der Kita über die allgemein- und berufsbildenden Schulen bis in den Universitäten.

Autorenschaft: Joyce Moewius & Peter Röhrig (beide BÖLW)


Quellen:

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE, 2015-2021): Strukturdaten zum ökologischen Landbau in Deutschland. Online unter: https://www.ble.de/DE/Themen/Landwirtschaft/Oekologischer-Landbau/_functions/StrukturdatenOekolandbau_table.html

BÖLW (2021–2022): Ökologische Landwirtschaft in Deutschland Eigene Erhebung: Meldungen der BÖLW-Mitgliedsverbände und Öko-Kontrollstellen.

Statistisches Bundesamt (2021): Betriebsgrößenstruktur landwirtschaftlicher Betriebe nach Bundesländern. Online unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Landwirtschaftliche-Betriebe/Tabellen/betriebsgroessenstruktur-landwirtschaftliche-betriebe.html#fussnote-4-122912

Weitere passende Beiträge

Zahlen_Fakten_Handel_apples-627325_1920.jpg
Pressemitteilung

Bilanz-Plus: Kunden & Betriebe entscheiden sich für Bio / „Für 30 % Bio bis 2030 braucht es jetzt endlich starke Politik“

Kunden gaben + 5,8 % mehr Geld für Bio-Lebensmittel aus, jeder 7. Hof macht Bio
 | 

Öko-Landbau ist zukunftsfest. Auch der Bio-Markt blieb nach Rekordjahr 2020 mit 15,87 Mrd. € weiter stark im sonst stagnieren Lebensmittelmarkt.

00_ImFokus.jpg
Artikel

Öko schütz Klima

Bio und Klima
 | 

30 % Bio helfen dem Klima. Die Ernährungswende muss jetzt der Energiewende folgen. Dann wird es etwas mit dem Klimaschutz.

00_Oekokennzahlen_2022.jpg
Information

Öko-Kennzahlen 2022

Auf einen Blick
 | 

Grafiken: Die wichtigsten Entwicklungen der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft 2022.