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Bio setzt sich durch

Ökologische Lebensmittelwirtschaft und Transformation

Berlin, 13.01.2019. Bio-Unternehmer treten an, um Landwirtschaft, Lebensmittelherstellung und Handel sowie die Art, wie wir essen, zu verändern. Neben der Wissenschaft, den Kunden, Umweltschützern, Ökonomen oder Thinktanks etabliert auch die Politik Öko immer stärker als Lösung für eine enkeltaugliche Land- und Ernährungswirtschaft. Der Grund dafür ist simpel: Bio setzt sich durch, weil es funktioniert.

„Ökologische Landwirtschaft hat ihr Nischendasein verlassen“. Das stellt die DZ Bank in einer Branchenanalyse fest. Die Ökonomen sehen bei Bio vor allem eine Stärke, die der Sektor sonst
kaum vorzeigen kann: „dynamisches Wachstum“. Das ist – bei allen Herausforderungen, welche die Branche nach innen und außen zu meistern hat – ein großer Erfolg. Denn jeder Hektar, den Bauern in Deutschland, Albanien oder Pakistan ökologisch bewirtschaften, schützt Wasser und Bienen, Böden und Klima. Jedes Lebensmittel, welches ökologisch hergestellt wird, bewahrt Mensch und Natur vor umstrittenen Zusatzstoffen und Gentechnik. Und jedes Bio-Produkt, für das die Unternehmen einen guten
Preis bekommen, stärkt Betriebe hier und anderswo.

Die transformative Kraft, die Bio über die letzten Dekaden entwickelt hat, resultiert aus ökologischen und ökonomischen Vorzügen, die im System angelegt sind: Wirtschaften im Einklang mit den natürlichen Ressourcen, hocheffizient und nachhaltig. Wie leistungsfähig die Ökologische Landwirtschaft ist, koloriert aktuell die bisher wohl umfassendste Studie ihrer Art. Die Auswertung hunderter Forschungsergebnisse aus den letzten 30 Jahren durch das staatliche Thünen-Institut zeigt: Bio hat beim Gewässer-, Boden- und Klimaschutz, in Sachen Artenvielfalt und Ressourceneffizienz klar die Nase vorn und gilt zu Recht als ein Schlüssel auf dem Weg zu einem nachhaltigen Landwirtschaftssystem.

Transformation braucht vor allem eins: Macher. Doch auch die werden immer mehr. Angefangen bei den Kunden, die stetig stärker zu Öko greifen, über innovative Unternehmer, die in Landwirtschaft, Herstellung und Handel neue Wege gestalten bis hin zu visionären Menschen in Politik und Verwaltung, die das Bio-Potenzial erkennen und nutzen.

Auch die Bürger engagieren sich in der Stadt und auf dem Land und nehmen den ökologischen Umbau in ihren Kommunen einfach selbst in die Hand, beispielsweise mit Ernährungsräten. Die Gemeinden wagen es auch deshalb immer öfter selbst, ihre öffentliche Verpflegung auf Bio umzustellen oder Kooperationen mit regionalen Bio-Bauern zu knüpfen. Nach Kopenhagen, wo inzwischen 90 % der Außer-Haus-Verpflegung Öko ist, startet aktuell auch Berlin mit einer Bio-Offensive. Auch Öko-Modellregionen liefern in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg Impulse, damit sich Bio-Bauern und die lokale Ernährungswirtschaft besser vernetzen können. Parallel dazu wächst das Netzwerk der Bio-Städte in Deutschland und Europa. Und Großdemonstrationen, wo sich zehntausende Ernährungsbewegte und Lebensmittelunternehmer gemeinsam mit Bauern für eine enkeltaugliche Agrarpolitik einsetzen, zeigen wie Volksbegehren: Die Gesellschaft ist nicht nur bereit für eine Transformation, sondern fordert die Politik entschieden zum Handeln auf.

Auch auf globaler Ebene beginnt ein Umdenken. Nach Jahrzehnten, in denen die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) einseitig auf Industrialisierung setzte, lädt die FAO heute zu Agrarökologie-Symposien ein – und erklärt die 'Grüne Revolution' für gescheitert. Am  anderen Ende der Welt stellt der indische Bundesstaat Sikkim gleich seine komplette  Landwirtschaftsfläche auf Öko um. Das deutsche Entwicklungsministerium erkennt, dass Bio ein Schlüssel für eine gute und sichere Ernährung der Menschen ist und richtet Ökolandbau-Zentren in  Afrika ein.

In Deutschland unterstützen viele Bundesländer von den Alpen bis zur Ostsee umfassend den heimischen Umbau: Hessen etwa will ein neues Öko-Forschungsinstitut einrichten, Baden-Württemberg legt die Messlatte für Öko-Flächen bis 2025 auf 30 % – nur zwei Bespiele, die für ein größeres Bild stehen: Wo Länder aktiv in Bio investieren, gelingt Transformation, Betriebe bekommen eine echte Zukunftsperspektive und wirken als Motoren für starke ländliche Räume.

Mit der Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZöL) setzte sich auch der Bund in 2017 eine konkrete Bio-Agenda. Die jetzige Bundesregierung verankerte 20 % Öko-Flächen bis 2030 als einziges quantifiziertes Agrar-Ziel im Koalitionsvertrag. Das Ziel ist erreichbar. Doch was es dafür braucht, ist eine konsequente Reform der europäischen Agrarpolitik (GAP), die freiwillige ökologische Leistungen der Bauern honoriert und nicht weiter den Flächenbesitz. Es braucht auch gute Entscheidungen bei der
laufenden Ausgestaltung des neuen Bio-Rechts. Und: Bio muss zur Aufgabe der gesamten Bundesregierung werden und konsequent in jedem Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt sein. Denn wenn Bund und Länder die richtigen Weichen stellen, kann sich Öko nicht nur in Sikkim oder Kopenhagen, sondern auch bei uns in Deutschland durchsetzen.

Foto Header: Fabian Melber/www.wir-haben-es-satt.de

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