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Rekordwachstum an Bio-Verarbeitungsbetrieben. Alles im grünen Bereich?

Entwicklung der Bio-Lebensmittelherstellung

Berlin, 14.02.2023. Im Jahr 2021 verarbeiteten 19.572 Unternehmen in Deutschland Bio-Lebensmittel, 2.222 bzw. rund 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die höchsten Zuwächse verzeichneten das Saarland (+25 Prozent), Berlin und Nordrhein-Westfalen (je +17 Prozent).
Aber: Unsaubere Zahlen verzerren die Statistik. Konzentrationsprozesse und Turbulenzen infolge des Krieges in der Ukraine gefährden auch Bio-Verarbeitungsbetriebe. Umso wichtiger ist die Stärkung der Bio-Verarbeitung.

 

Knapp 20.000 Unternehmen verarbeiteten 2021 Bio-Lebensmittel - in Handwerk, Mittelstand, Industrie und Gastronomie. Die meisten in Bayern (4.910 Betriebe), Baden-Württemberg (3.509) und Nordrhein-Westfalen (2.426). Seit 2016 wuchs die Summe der Unternehmen um 5.071 Betriebe, ein Plus von 35 Prozent. Starkes Wachstum meldeten das Saarland (+63 Prozent von 2016 auf 2021), Hamburg (+49?Prozent) und Nordrhein-Westfalen (+45 Prozent). Allerdings zählt die amtliche Statistik auch Betriebe mit, die nur Lebensmittel  verpacken oder aufbereiten. Die Zahl der „echten“ Bio-Hersteller liegt weit niedriger, wird aber derzeit nicht erfasst.

Grundsätzlich sind die Zukunftsaussichten für die Bio-Verarbeitung gut: Die Bio-Nachfrage steigt seit Jahrzehnten, Nachhaltigkeit bleibt ein „Megatrend“. Auch für Gründerinnen und Gründer ist der Bio-Markt mit seinen oft regional orientierten, innovativen und flexiblen Strukturen attraktiv. Allerdings gefährden die seit Jahrzehnten laufenden Konzentrationsprozesse in der Ernährungswirtschaft auch kleine und mittelständische Bio-Verarbeitungsbetriebe: Deren Fokus auf vielfältige Rohstoffe und Produkte, Nachhaltigkeit und schonende, wertgebende Verarbeitungsverfahren wird durch die derzeitigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nicht unterstützt, sondern führt zu höheren Kosten und Produktpreisen, also Wettbewerbsnachteilen.
Investitions- und Wirtschaftsförderprogramme von Bund und Ländern sind für nachhaltig wirtschaftende KMU (1) in der Antragstellung und -abwicklung viel zu kompliziert oder die Voraussetzungen für die Förderung sind gar nicht erfüllbar. Hilfen für die Umstellung auf Bio, wie sie in der Landwirtschaft seit Jahrzehnten bewährte Praxis sind, gibt es für Verarbeitungsbetriebe bisher nicht. Wichtige Impulse könnten „wahre Preise“ (englisch „True Cost“) geben. Das Ziel: Die gesellschaftlichen Kosten der konventionellen Produktion von Lebensmitteln werden nicht länger der Allgemeinheit aufgebürdet, sondern den Verursachern, z. B. über eine Pestizid- oder Stickstoffüberschussabgabe. Die niedrigeren Umweltfolgekosten könnten durch reduzierte Mehrwertsteuersätze für Bio-Lebensmittel belohnt werden. Damit würde ein Teil des Marktversagens bei der Nutzung von Umweltgütern gemindert. Dies trägt zu einem gesellschaftlichen Mehrwert bei.


(1) KMU umfasst Kleinst unternehmen, kleine Unternehmen und mittlere Unternehmen

Informationen zu Quellen, sowie die Autorinnen und Autoren finden Sie hier.

Illustrationen & Charts: Pötting Information Design

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