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Naturkosthandel: Branche wächst weiter

Situation im Naturkosthandel

Berlin, 17.02.2021. 2020 war die positive Umsatzdynamik des Naturkostfachhandels vom Kaufverhalten der Menschen in der Corona-Pandemie beeinflusst. Der Wunsch nach gesunden und umweltfreundlichen Lebensmitteln bescherte dem Bio-Fachhandel zum Höhepunkt des ersten Lockdowns im April einen Umsatzzuwachs von 35 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – und bewegte sich im Jahresverlauf zwischen einem Umsatzplus von 15 % im Sommer und von 24 % im Dezember. Insgesamt legte der Umsatz im Naturkostgroßhandel um etwa 21,7 % von gut 1,92 Mrd. € (2019) auf rund 2,34 Mrd. € im Jahr 2020 zu.

Der Bio-Facheinzelhandel (FEH) mit seinem 100 %-Bio-Angebot, vielen regionalen Öko-Produkten und Innovationen baute seinen Umsatz von 3,76 Mrd. € (2019) auf 4,37 Mrd. €1 und um 16,4 % im Jahr 2020 aus, auf bestehenden und auf neuen Verkaufsflächen. Die Strukturen im deutschen Bio-Fachhandel veränderten sich ähnlich wie in den Vorjahren: Die Verkaufsfläche entwickelte sich positiv, der Anteil der filialisierten Läden stieg, ebenso legten die Großflächen zu. Schließungen betrafen überwiegend Läden mit kleineren Flächen, die in kleineren oder mittelgroßen Städten lagen. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Die fehlende Nachfolge spielt weiterhin ebenso eine Rolle wie gestiegene Kosten, etwa für die Miete, oder ein steigender Marktdruck durch den Lebensmitteleinzelhandel (LEH). 

Die Corona-Pandemie prägte das Einkaufsverhalten der Kundinnen und Kunden im FEH deutlich. Im Jahr 2019 hatten sich viele neue Kunden für den Fachhandel entschieden und kauften zugleich mehr Bio-Produkte. 2020 gingen Spontan- und Gelegenheitskäufe durch Corona deutlich zurück, die Zahl der Kaufvorgänge sank im Gesamtjahr insgesamt um mehr als 10 %. 

Gleichzeitig wuchs die durchschnittliche Einkaufssumme pro Bon um ca. 25 %. Die Kundinnen legten erheblich größere Mengen in ihre Einkaufskörbe. Ursache dafür ist u.a., dass die Menschen angesichts geschlossener Restaurants und Kantinen häufiger selbst kochten und dabei auf qualitativ hochwertige Bio-Lebensmittel setzten. Die Entscheidung, in Pandemiezeiten den gesamten Einkauf an einem Ort zu erledigen, kann als eine weitere Ursache für das starke Umsatzwachstum im Jahr 2020 gelten. Ob diese Verhaltensänderung der Bio-Käufer und -Käuferinnen nach dem Ende der Corona-Einschränkungen von Dauer ist, wird mit Spannung beobachtet werden.

Den Großteil seines Umsatzes fuhr der Naturkostgroßhandel im Geschäft mit dem FEH ein. Zwar kam der Außer-Haus-Verkauf des Großhandels, der in den vergangenen Jahren stetig gewachsen war, Corona-bedingt teilweise fast vollständig zum Erliegen. Trotzdem erzielte der Großhandel mit rund 21,7 % einen deutlich höheren Zuwachs als 2019 – die Einbußen in der Außer-Haus-Verpflegung wurden also nicht nur kompensiert, sondern es konnte zusätzliches Wachstum generiert werden.

Autorinnen und Autoren: Hans J. Kaufmann und Kathrin Jäckel, Bundesverband Naturkost Naturwaren

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